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Das 50-jährige Gründungsfest

Bereits einige Stunden vor dem Festabend als Auftakt zum 50-jährigen Gründungsjubiläum des Bläserchores Reusch standen die Männer, Jungs und Mädchen des Jubelchores – erstmals in den neu geschneiderten weinroten Uniformröcken über beigen Westen und schmucken Hüten – startbereit vor der Musikhalle und mit ihnen die feschen Ehrendamen in einheitlichen Festkleidern, zum festlichen Empfang des Schirmherrn und der Präsidiumsmitglieder des Musikbundes.

Der klingenden Begrüßung folgte ein herzliches Willkommen des Vorsitzenden Friedrich Herbolzheimer an Präsident Georg Bayer, Erlangen, und Bundesdirigent Leo Jubl aus Zirndorf.

Bürgermeister Hans Schmidt und Pfarrer Christoph Rabenstein führten die Gruppe zur Ortsbesichtigung an. Nachmittagssonne bestrahlte das blitzsaubere Dorf, das bereits sein Festkleid trug. Von dem kunstvollen Flügelaltar in der Marienkirche waren die Ehrengäste ebenso beeindruckt wie von dem gepflegten Bauerndorf überhaupt. In einem Pressegespräch bei fränkischer Brotzeit in der Gastwirtschaft Weber, an der alle „Spaziergänger“ teilnahmen, erfolgte ein reger Gedankenaustausch über Aktivitäten und Entwicklungen im Musikbund.

Den Abend im Festzelt leitete der Jubelchor mit Dieter Herborgs hymnischem „Grandioso“ ausdrucksvoll ein.

Vorsitzender Friedrich Herbolzheimer begrüßte die vielen Ehrengäste, unter ihnen auch Landrat a. D. Ernst Falk, die Abordnungen mehrerer Musikkapellen und die vielen Besucher. Bei der Begrüßung von Gottfried Rückert erhob sich ein herzlicher Beifallssturm über die Auszeichnungen, die ihm durch den Musikbund und die Bundesrepublik Deutschland verliehen wurden.

Im Festprolog ermunterte Edith Liebberger:

„Liebliche Klänge lasset ertönen: zum Guten, zum Wahren, zum Schönen.“ Der Jubelchor verstand es, dieser Aufforderung nachzukommen.

Seinen kurzen, aber dennoch informativen Rückblick auf 50 Jahre der Vereinsgeschichte beschloss Friedrich Herbolzheimer mit der verheißungsvollen Feststellung, der Bläserchor Reusch habe keine Nachwuchssorgen. Der Verstorbenen wurde mit dem „Guten Kameraden“ ehrend gedacht.

Als Schirmherr gratulierte der stellvertretende Ministerpräsident und Staatsminister Dr. Hillermeier dem Jubelchor und dankte ihm als einer Vereinigung von Idealisten für die hervorragende Pflege eines wertvollen Kulturgutes, wie es die Volksmusik darstellt. Auch der Gemeinde zollte er Dank und Respekt. Humorvoll erinnerte der Schirmherr an die Zeit, da man Reusch nur mit Gummistiefeln besuchen konnte, heute dagegen sei es ein Schmuckstück unserer Heimat.

Der Präsident des Nordbayerischen Musikbundes, Georg Bayer, traf die Wurzel: „Die Bedeutung der Amateurvereine im vokalen und instrumentalen Bereich hat in einer Zeit, da die musische Erziehung in den Schulen rückläufig ist, zugenommen und wird insbesondere aus der Sicht der Kultur und Gesellschaftspolitik anerkannt.“

Als einer der 600 nordbayerischen Kapellen mit über 2.300 Bläsern wurde dem Jubelchor durch Präsident Bayer die Goldmedaille am weißblauen Band verliehen. Die hohe Auszeichnung wird Vorsitzender Herbolzheimer stellvertretend für alle Bläser tragen.

Für über 40 Jahre aktiven Wirkens dekorierte Präsident Bayer folgende Pioniere: Heinrich Stintzing, Eugen Brügel, Konrad Langheinrich, Hans Oehler, Hans Rückert, Georg Schemm, Hans Trummer, Hans Busch, Fritz Hirt und Hans Ehrmann. Ferner Willi Loscher – Langensteinach, Hans Rückert – Enheim, Georg Bruder – Bad Windsheim, Friedrich Eckstein – Wässerndorf und Hanns Veeh – Schillingsfürst, der als Dorflehrer erster Dirigent und Ausbilder gewesen ist. Dem 82-jährigen Musikfreund galt herzlicher Beifall.

Mit „Silber“ für 25 Jahre wurden ausgezeichnet: Alfred Schemm, Heinrich Rienecker, Wilhelm Schneider, Hans Mahlein und Friedrich Herbolzheimer.

Die „Grüne Nadel“ für 10 Jahre erhielten: Willi Fritz, Ludwig Sponsel, Friedrich Rückert, Wilhelm Geuder, Manfred Oehler, Peter Heinz, Heinz Emmert, Bernhard Liebberger, Klaus Schumann, Friedrich Bauer und Gerhard Ehrmann.

Gratulanten für den Nordbayerischen Musikbund waren auch Bundesdirigent Leo Jubl und der stellvertretende mittelfränkische Bezirksvorsitzende Ernst Uhl. Uhl überreichte als Geschenk des Patenvereins „Zeitvertreib“ Ulsenheim eine von Kunstmaler Gatscher gemalte Dorfansicht von Ulsenheim. Zugleich hob Ernst Uhl die gute Mitarbeit hervor, die Friedrich Herbolzheimer als Kreisvorsitzender leistete.

Landrat Robert Pfeifer brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, daß von den 92 Musikkapellen in Mittelfranken 38 in unserem Landkreis beheimatet sind und somit das kulturelle Leben bereichern. Dem Jubelchor übergab er einen Scheck. Glückwünsche sprach auch Bürgermeister Sammet als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Uffenheim und überreichte einen Scheck. Und weil er so gerne „in die Luft geht“, gratulierte Pfarrer Christoph Rabenstein mit einer großformatigen Luftaufnahme in Farbe von Reusch.

Bürgermeister Hans Schmidt honorierte den idealistischen Einsatz der Bläser mit einer Geldspende der politischen Gemeinde in Höhe von 1.000,00 DM.

Vorsitzender Herbolzheimer bedachte alle Grußredner mit je einem bemalten Riesenbocksbeutel, der als Motiv die Reuscher Kirche mit den umliegenden Fachwerkbauten zeigte. Unter der Leitung von Karl May trugen die Männergesangvereine Weigenheim und Reusch in Chorgemeinschaft einige Lieder vor. Die Kapellen Ulsenheim, Ergersheim, Gattenhofen und Obersteinbach sorgten nacheinander und gekonnt für musikalische „Zündung“.

Die Fränkische Landeszeitung berichtete am 13. Juli 1977: „Von diesem Fest wird man in Reusch noch lange sprechen. Das Reuscher Musikfest 1977 ist verklungen. Ideales Sommerwetter, Massenbesuch und nicht zuletzt das musikalische Programm bescherten dem Bläserchor Reusch an seinem 50. Geburtstag einen vollen Erfolg. Lange noch wird dieses Fest in aller Munde sein. In Reusch selbst wird es als stolzes Ereignis in die Dorfchronik eingehen.“

Von einer „großen Demonstration des geistigen und kulturellen Schaffens“ sprach Schirmherr Staatsminister Dr. Karl Hillermeier beim Gemeinschaftschor der 25 Musikkapellen am Sonntag auf dem Festplatz. Auf der Ehrentribüne auch Landratsstellvertreter Willi Hahn und Uffenheims Bürgermeister Herbert Sammet. Erhebend die vier Tonschöpfungen: Grandioso, Bayernlied, Frankenlied-Marsch und Deutschlandhymne – Musikalischer Höhepunkt des Festes.

Würdig am Sonntagvormittag am Ehrenmal: Geschlossene Ankunft unter Trauermarsch, Gedicht von Angelika Preu, Ansprache von Friedrich Herbolzheimer, Kranzniederlegung.

Festgottesdienst im Festzelt: Die Predigt hielt Pfarrer Christoph Rabenstein. Feine Chorbeiträge der vereinten Männergesangvereine Reusch und Weigenheim unter Karl May.

Viel Beifall im Frühkonzert mit der Kapelle der 1. US-Panzerdivision Ansbach. Auch am Nachmittag im Festzelt toller Applaus für die Amerikaner. Sie spielten und sangen auch das „Münchner Hofbräuhaus“ und schwangen die Maßkrüge.

Der lange und farbenprächtige Festzug mit über 1200 „Marschierern“ war eine prächtige Augenweide. Allerdings boten die aufgefrischten und geschmückten Häuserfassaden einen malerischen Hintergrund. Menschen noch und noch.

Das muß man den Reuschern nachrühmen: Das Dorf war blitzsauber herausgeputzt. Die Frauen und Mädchen waren – wie Bürgermeister Hans Schmidt im Festkommers gelobt hatte – mehrere Wochen als „Gastarbeiterinnen“ des Bläserchors verpflichtet.

Ein Lob den Ehrendamen. Wann immer es galt, zu „flankieren“, ein Spalier zu bilden, die Ehrengäste auf ihren Platz zu geleiten – sie taten es fleißig und charmant.

Organisation wurde groß geschrieben. Das „Festbüro“ in der Großgarage gegenüber der Musikhalle erteilte viele Informationen und ließ den Besuchern mancherlei Hilfe angedeihen.

Das Erinnerungsgeschenk für die Ehrengäste und die Musikkapellen war – nebst einem Fahnenband für die entsprechenden Vereine – eine von Kunstmaler Werner Fichna, Uffenheim, gebrannte Tonscheibe mit Umschrift und Motiven, eingearbeitet in einen Holzteller. Eine feine Sache.

Mit einer original „Almglocke“ aus dem Allgäu erfreute Vorsitzender Pfeifer von der Musikgesellschaft Maria Thann den befreundeten Jubelchor.

Die Allgäuer verließen Reusch erst am Montagmittag. Zu ihrer Verabschiedung am Bahnhof Uffenheim spielte der Bläserchor Reusch, und Dutzende von Reuschern waren dabei. Ein Norddeutscher stieg aus dem Zug und dirigierte eine Weile begeistert. Als er sich auf die Weiterfahrt besann, war der Zug weg.

Musikalische Bilanz des Festes: Musikdirektor Otto Hofmann, Dinkelsbühl, Bundesdirigent Leo Jubl, Zirndorf, und der Bundesbeauftragte für Spielmannszüge, Andreas Rumpf, Ochsenfurt, - sie waren als Wertungsrichter und Dirigenten tätig – stellten als positiv heraus: Leistungssteigerung als Folge der Lehrgänge des Musikbundes, wachsendes Interesse der Jugend an der Volksmusik und respektable Erfolge gerade auch der Jugendkapellen bei den Wertungsspielen (Die „Fränkische Landeszeitung“ wird darüber noch berichten).

Die Festtage sind verklungen, doch das Rad der Geschehnisse dreht sich weiter. Vorsitzender Friedrich Herbolzheimer hatte auf dem Festabend erklärt: „Wir haben keine Nachwuchssorgen“. Vielleicht das wertvollste Geburtstagsgeschenk; denn so kann in Reusch die reiche musikalische Tradition in die Zukunft getragen werden.“


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